Home Branchen Vereine Links News FAQ / Hilfe Suche


 

 

Vom Bauernhof in die Schulkantine

Impulsveranstaltung für regional-gesunde Schulverpflegung in Bebra

Gesunde Ernährung wird zur zentralen Zukunftsaufgabe schulischer Bildung. Aber Schulen brauchen bei der Umsetzung einer gesunden Schulverpflegung Beratung und Unterstützung. Dies war das zentrale Ergebnis der Impulsveranstaltung „Bio in der Schulverpflegung“, zu der u. a. der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und das Staatliche Schulamt Bebra in die Gesamtschule Bebra eingeladen hatten. Und die Resonanz war überaus groß. Gut 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 25 Schulen und weiteren Institutionen der Region waren in die Brüder-Grimm-Schule gekommen, um sich von verschiedenen Experten über Probleme und Chancen einer gesunden Schulverpflegung informieren zu lassen.

Über die große Beteiligung freuten sich besonders Schulleiter Roland Klos, der die Veranstaltung als Gastgeber eröffnete, und Bundestagsabgeordneter Michael Roth, der zu den Initiatoren der Veranstaltung zählte. Roth machte sich für eine gesunde und soziale Ausrichtung der Schulverpflegung stark. "Der Staat muss mehr Verantwortung für eine gesunde Ernährung mit mehr biologischem Essen übernehmen, Kinder, die es sich nicht leisten können, sollen unabhängig vom Geldbeutel gesundes Essen bekommen", so Roth in seinem einleitenden Grußwort. Mehr regionale Produkte in der Schulverpflegung einzusetzen, dafür sprach sich auch Christa Bittner aus. „So können wir unsere Kinder nicht nur gesünder verpflegen, sondern auch etwas für die Landwirtschaft tun. Und hier müssen wir in den nächsten Jahren einen besonderen Schwerpunkt setzen,“ so die Erste Beigeordnete des Landkreises Hersfeld-Rotenburg.

Den Reigen der Fachvorträge eröffnete Anja Erhart vom Ökologischen Großküchen Service (ÖGS) aus Frankfurt, die auch die Organisation der Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Bio kann jeder“ übernommen hatte. Sie informierte über die Grundlagen des Ökologischen Landbaus und den Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Schulverpflegung. „Nur möglichst frische und wertvolle Lebensmittel, weitest möglich frei von Rückständen, geben uns die Sicherheit, unsere Kinder auch tatsächlich gesund zu ernähren.“ Anja Erhart zeigte an Beispielen, wie die Kosten für Bio-Schulverpflegung in verträglichem Rahmen gehalten werden können. „Durch eine geschickte Speiseplangestaltung,“ so Anja Erhart, „kann man einiges der höheren Einkaufspreise für Bio-Produkte ausgleichen.“

Einen sehr nachdenklichen Blick auf den Gesundheitszustand der heranwachsenden Generation warf Klaus Adamaschek vom Umweltbildungszentrum Licherode. „Viele Kinder essen sich krank. Ein Burger-XL-Menu z. B. deckt den kompletten Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen.“ Von 2003 bis 2006 hat das Umweltbildungszentrum gemeinsam mit der Uni Kassel einen Modellversuch für das Bundesernährungsministerium durchgeführt und Schulen im Schwalm-Eder-Kreis bei der Umstellung auf eine gesunde und regional-biologische Schulverpflegung begleitet. „Wir müssen kleine regionale Netzwerke bilden, aus Küchenbetrieben und Erzeugern der Region. Und wir müssen die ganze Schulgemeinde auf dem Weg zu einer gesunden Schulverpflegung mitnehmen,“ erläuterte Klaus Adamaschek den Projektansatz. An den Modellschulen hatte das Beratungsteam aus Licherode u. a. Lehrerfortbildungen und Elternabende zum Thema Gesunde Ernährung durchgeführt.

Das pädagogische Kernstück ist die sogenannte „Besser-Esser-Woche“, mit der Schulkinder handlungsorientiert und kindgerecht an gesündere Ernährung aus der Region heran geführt werden. „Wenn man den Besser-Esser-Pass, den die Kinder am Ende der Woche erhalten, wie ein Freischwimmerzeugnis oder einen Fahrradführerschein fest im Schulprogramm verankert,“ so Klaus Adamaschek, „ dann kann das Konzept eine Menge bewegen.“ Die DVD zum Licheröder „Besser-Esser-Konzept“ wird vom Hessischen Kultusministerium in den nächsten Wochen an alle hessischen Schulen verteilt

Praktische Erfahrungen mit ihren Schulverpflegungssystemen stellten die Jakob-Grimm-Schule Rotenburg (JGS) und die Gesamtschule Bebra zur Diskussion. Dabei wurden neben viele guten Ansätze auch eine ganze Reihe Defizite benannt. „Wir wollen unsere Kinder gerne gesund und regional ernähren, aber wir brauchen dringend finanzielle und fachliche Unterstützung“, so brachte es JGS-Förderstufenleiterin Sabine Eberlein auf den Punkt.

Zwar kein Geld, aber ein organisatorisches Dach bot dann Dr. Ulrich Schneider im abschließenden Redebeitrag an. Der Projektleiter der Lernenden Regionen Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner schlug die Gründung einer „Regionalen Plattform gesunde Ernährung“ vor, um ein zugeschnittenes Konzept für eine regional-gesunde Verpflegung unserer Kinder an Schulen und Kindergärten zu entwickeln. „Die Lernenden Regionen haben in den letzten Jahren vielfältige positive Erfahrungen mit Netzwerkarbeit gesammelt,“ bot Dr. Schneider die Unterstützung des Schulamtes Bebra an.

Die Versorgung mit Kaffee und regional-biologischem Imbiss hatte das Herz-Kreislauf-Zentrum Rotenburg übernommen, das so eindrucksvoll seine Leistungsfähigkeit als möglicher Caterer für Schulen der Region unter Beweis stellte. Teilnehmer und Veranstalter zeigten sich nach gut viereinhalb Stunden geballter Information und teils sehr lebhafter Diskussion hoch zufrieden. „Das war ein sehr guter Einstiegsimpuls,“ so der einhellige Grundtenor, „aber nun müssen den Worten auch Taten folgen.“

Nachricht vom 6.6.07 09:36

Werbung 

Favoriten hinzufügen Seite empfehlen Impressum AGBs Datenschutzerklärung Red.

Letzte Aktualisierung: Sonntag, 19. Januar 2020

Regional- und Stadtportalsoftwarelösung