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Halbzeit der documenta 14 in Kassel

Jenseits der künstlerischen Freiheit

„Die documenta 14 ist eine Übung der Zerbrechlichkeit und sie will von Athen lernen – heute. Nach dem 16. Juli 2017, dem offiziellen Ende des in Athen stattfindenden Teils, wird das Projekt nun an mehr als dreißig Veranstaltungsorten und öffentlichen Räumen in Kassel, der Geburtsstadt der documenta, fortgesetzt und dort bis zum 17. September 2017 zu sehen sein, wobei einige Programme sowohl in Kassel wie auch in Athen präsentiert werden.

Seit ihrem Beginn Ende des Jahres 2013 mit meiner Ernennung zum Künstlerischen Leiter, war die documenta 14 eine verletzliche, anspruchsvolle und wagemutige Angelegenheit: anstatt eine singuläre Aussage in Form nur einer einzigen Ausstellung zu treffen – und auf diese Weise dem Modus Operandi zahlreicher, ähnlich ausgerichteter, großer Festivals zeitgenössischer Kunst zu folgen –, ließen sich die Künstlerinnen und Künstler, das Team der Kuratorinnen und Kuratoren und alle Teilnehmenden auf eine länger dauernde Phase des vielschichtigen Experimentierens in beiden Städten ein. Dies ist eine einzigartige Bemühung, die nach einer gleichermaßen vielschichtigen Reaktion und nach mannigfaltigen Formen der Rezeption verlangt. In der Tat wurde die documenta 14 im Frühherbst des Jahres 2015 mit der Publikation der ersten Ausgabe des Magazins South as a State of Mind in Gang gesetzt, einer vierbändigen Zeitschriftenreihe, die bis in den Herbst 2017 fortgesetzt werden wird. Das Magazin und die Zusammenkünfte, die die Veröffentlichung der bisherigen Ausgaben begleiteten, wurden von einer Reihe halböffentlicher Begegnungen zwischen eingeladenen documenta 14 Künstlerinnen und Künstlern und dem Athener Publikum (vor allem Kunststudierenden und auch Fakultätsmitgliedern der Akademie) gefolgt, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kontinuum stattfanden, das gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Athen realisiert wurde. Diese Treffen legten den Grundstein für die Ausstellung in beiden Städten und gingen der Gründung des Parlaments der Körper voraus, das in den Räumlichkeiten des Städtischen Kunstzentrums Athen im Parko Eleftherias feierlich eingeweiht wurde. (Dieses Gebäude befindet sich auf einem historischen Gelände, wo sich früher – während der Militärdiktatur der Obristen von 1967 bis 1974 – das Hauptquartier, das Untersuchungsgefängnis und die Folterkammern der griechischen Militärpolizei befunden haben.) Das Parlament der Körper, das sich zurzeit in der Rotunde des Fridericianum in Kassel versammelt (also an dem Ort, an welchem das kurzlebige Modellparlament des Königreich Westphalen von 1807 bis 1813 tagte), wird bis zum Ausstellungsende in Kassel am 17. September 2017 ein lebendiger Schauplatz für die vielen Stimmen bleiben, die die documenta 14 durchdrungen haben. In der Zwischenzeit umfasst die documenta zahlreiche Formate, die die üblichen Dimensionen einer Einzelausstellung überschreiten: zu diesen gehört die wöchentliche Ausstrahlung von „Keimena" durch den griechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ERT; eine Sendereihe, die bislang von mehr als 600.000 Menschen in ganz Griechenland gesehen wurde und die bis zum 18. September fortgesetzt wird. Zu ihnen zählt ebenso Every Time A Ear di Soun, ein länderübergreifendes Radioformat, das von verschiedenen Sendern (in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur) gestaltet wird und in Rio de Janeiro, Jakarta, Barranquilla, Beirut, Douala, Washington D.C., Athen, Berlin zu hören war. Gemeinsam mit einem dreisprachigen Set von Publikationen (griechisch, deutsch und englisch), zu dem The documenta 14 Reader und das documenta 14: Daybook sowie die Kartenbroschüren der Ausstellungen jeweils für die beiden Städte gehören und der Website der documenta 14, auf der beinahe der gesamte Inhalt der Öffentlichen Programme live gestreamt wird und man zahlreiche neu in Auftrag gegebene Textbeiträge finden kann, ermöglichten diese Formate eine beträchtliche Ausweitung der Handlungsträgerschaft der documenta 14, die weit über die übliche Reichweite einer Kunstausstellung hinausgeht und neue Beteiligungsformen ermöglicht. Das Vermittlungsprogramm „Eine Erfahrung“ – eine gegen-pädagogische Übung für das Begreifen und Vergessen des bereits Gewussten, die um Spaziergänge herum kreist, die von Mitgliedern des Chores der documenta 14 gemeinsam mit internationalen Besucherinnen und Besuchern aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten in beiden Städten der documenta 14 durchgeführt werden – steigert dabei das Erlebnis documenta 14 noch weiter.

Und nicht zuletzt wurden mehr als 160 lebende documenta 14 Künstlerinnen und Künstler beauftragt, zum Großteil neu geschaffene Arbeiten in einer Zeit, die Olu Oguibe (selbst ein teilnehmender Künstler der documenta 14 und Träger des Arnold Bode Preises 2017) die „documenta 14 Saison“ genannt hat, an beiden Veranstaltungsorten zu verwirklichen – eine Vielzahl von Erfahrungen, die einer Mega-Ausstellung gegenüberstehen, die vom Datum ihrer Eröffnung und vom Datum ihrer Beendigung eingegrenzt und zumeist auf einen Ort beschränkt bleibt. Als Künstlerischer Leiter bin ich stolz auf das, was wir bislang gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern, Autorinnen und Autoren und weiteren Stimmen und Körpern, die die documenta 14 ausmachen, erreicht haben. Dazu gehört auch das Team, welches das Projekt produziert und getragen hat sowie das Team der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, welches seine Verwirklichung mit außerordentlicher Zielstrebigkeit und mit besonderem Verständnis ermöglichte. Die Wirksamkeit einer realisierbaren politischen Geste innerhalb des Felds der Kunst liegt in ihrer Fähigkeit, Debatten anzustoßen, die über dieses exklusive Feld hinausreichen; und so hat sich schon bald auch die documenta 14 selbst von Diskussionen umkämpft gesehen, was für die größere Resonanz spricht, die unsere Fragen ausgelöst haben, die die grundsätzlichen kuratorischen, organisatorischen und politischen Entscheidungen, die bereits früh bei der Entwicklung des Projekts getroffen wurden, verkörpern – ein dezidiert anti-essentialistischer Ansatz, der den heute vorherrschenden Verfahren der Spektakelproduktion und deren Zuschauerrolle jeden Respekt verweigert. Die Gegenwart ist hier und jetzt – und es liegt an uns, die Zukunft zu erkennen und zu gestalten. Im Bewusstsein der unüberbrückbaren Konflikte, Widersprüche und der schieren Not, die eingetreten sind, um den Augenblick, in welchem wir leben zu bestimmen und die Weisen, wie wir dieses Leben führen, möchten wir der Öffentlichkeit dafür danken, dass sie sich an der documenta 14 beteiligt und wir möchten Sie zur weiteren Teilnahme in den kommenden Wochen und darüber hinaus einladen." (Adam Szymczyk, Künstlerischer Leiter)


Halbzeit der documenta 14 in Kassel

Die documenta 14 hat am 8. April 2017 in Athen und am 10. Juni 2017 in Kassel eröffnet und stellt Arbeiten von über 160 Künstler_innen über eine gesamte Laufzeit von 163 Tagen in beiden Städten aus. Nach dem Ende der Ausstellung der documenta 14 in Athen am 16. Juli 2017 konnten 339.00 Besuche in den 47 Ausstellungsorten in Athen gezählt werden.

Am Samstag, den 29. Juli 2017, der Hälfte der Ausstellungslaufzeit in Kassel, wird die 14. documenta in Kassel eine Besucher_innenzahl von rund 445.000 erreicht haben – ein Besucher_innenplus von rund 17 Prozent im Vergleich zur letzten documenta zum gleichen Zeitpunkt.

„Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der documenta 14 in Athen und Kassel zurückblicken. Die Besuchszahlen in Athen haben unsere Erwartungen übertroffen. Sie machen die documenta zur meistbesuchten Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Griechenland. Die documenta hat damit nach drei Jahren Vorbereitungszeit sowohl ein großes heimisches wie auch ein breites internationales Publikum erreicht.

Die documenta 14 in Kassel profitiert deutlich von der enormen medialen Aufmerksamkeit und den vielen weltweiten Berichten und teilweise kontroversen Diskussionen in der Presse, die den Athener Ausstellungsteil schon zwei Monate vor der Eröffnung in Kassel begleitet haben. Athen hat das Interesse insbesondere von Besuchern aus Südeuropa aber auch aus lateinamerikanischen Ländern stark erhöht. In Kassel sind die hervorragenden Besucherzahlen und der große Andrang bei den Führungen erfreulich. Besonders die große Nachfrage nach Dauerkarten zeigt das Bedürfnis des Publikums sich, ganz im Sinne der documenta, immer wieder intensiv mit ihren Themen auseinanderzusetzen.“ (Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH)

Bereits am zehnten Tag der Ausstellung in Kassel wurde die 10.000 Dauerkarte verkauft, bis zur Halbzeit waren es 14.000 Dauerkarten. Das übertrifft schon jetzt die Zahl an Dauerkarten, die die letzte documenta umsetzen konnte.

Die begleiteten Spaziergänge – auch Walks genannt – der documenta 14 werden stark nachgefragt, zur Halbzeit haben schon über 54.000 Besucher_innen an einem Walk teilgenommen. Zudem werden bis zu diesem Samstag bereits 20.000 Schüler_innen die documenta 14 besucht haben.

Nachricht vom 31.7.17 15:56

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 18. Oktober 2017

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